Aktuelles

Neuer Name für die Wissmannstraße in Grunewald

Die Wissmannstraße in Grunewald wird ab 26. Februar 2022 einen neuen Namen tragen. Zivilgesellschaftliche und afrodiasporische Initiativen engagieren sich seit vielen Jahren für einen kritischen Umgang mit dem kolonialen Erbe des Berliner Stadtplans. Zukünftig wird der Straßenname die jüdischen Eheleute Irene und Arthur Barasch ehren, die bis zu ihrer Flucht und Deportation mit ihren Kindern Else und Werner in der Wissmannstraße 11 gelebt hatten.

Am Sonntag, 27. Februar, 13:30 Uhr, wird an der Ecke zur Erdener Straße die Umbenennung symbolisch vollzogen. Vor Ort vermittelt dann eine Informationssäule des Museums Charlottenburg-Wilmersdorf Wissmanns Rolle in der Gewaltgeschichte und der Erinnerungskultur des deutschen Kolonialismus, die Verfolgungsgeschichte der Familie Barasch im Nationalsozialismus und den Prozess der Umbenennung.

Damit entsteht ein Erinnerungsort, der eine Brücke schlägt zwischen den Erinnerungen an Opfer des Kolonialismus und des Nationalsozialismus.

Allgemein

Intervention „Ich mach nicht mit, weil…“

The Coalition of Cultural Workers Against the Humboldt Forum (CCWAH)
Protestplakate, 2020

 

Intervention im Glasturm des Friedrichshain-Kreuzberg Museums
30. November 2021- 28. Februar 2022

Die Coalition of Cultural Workers Against the Humboldt Forum (CCWAH) interveniert ab 30. November 2021 im Glasturm des Friedrichshain-Kreuzberg Museums. Mit Aktionen, Veranstaltungen und der Plakatkampagne „Ich mach nicht mit, weil…“ wendet sich CCWAH gegen das nachgebaute Berliner Schloss samt goldenem Kreuz und Reichsapfel, in dem das Humboldt Forum 2021 mehrere Ausstellungen eröffnet hat. Als Bündnis zusammen mit Barazani.Berlin und Decolonize Berlin e.V. u.a. schlägt CCWAH vor, dass die Ressourcen zur Betreibung dieser Mega-Institution in eine nachhaltige und sinnvolle Dekolonisierung der Berliner Kulturinstitutionen, Sammlungen und Programme umgeleitet – und geraubte Objekte restituiert werden. Die Objekte im Humboldt Forum stammen zum Teil aus dem 1886 eröffneten Königlichen Museum für Völkerkunde. Das Museum befand sich in der Stresemann-/Ecke Niederkirchnerstraße, dem heutigen Parkplatz des Martin-Gropius-Baus in Kreuzberg. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen die ethnologischen Sammlungen, die von westlichen Alliierten beschlagnahmt wurden, nach Dahlem.

Ausstellungen

Ausstellung: Spuren des Kolonialismus Der private Nachlass des Wandervogels Karl Fischer

Ort: Schwartzsche Villa / Galerie
Grunewaldstr. 55, 12165 Berlin

3. Dezember 2021 bis 15. Mai 2022
Eröffnung: 2. Dezember 2021
Mo–So 10–18 Uhr, Eintritt frei

Briefe, persönliche Dokumente und mehr als 750 Fotografien – der private Nachlass von Karl Fischer (1881-1941) ist bei weitem der größte Bestand im Wandervogel-Archiv des Fachbereichs Kultur Steglitz-Zehlendorf. Als Mitbegründer der Wandervogel-Bewegung, die sich ab 1901 von Steglitz aus in ganz Deutschland verbreitete, spielte Fischer in der frühen Jugendbewegung eine prominente Rolle. Nach seinem Tod gelangte sein umfangreicher persönlicher Nachlass in den Besitz des Karl-Fischer-Bundes, der über Jahrzehnte Materialien der Wandervogelbewegung und ihrer Mitglieder zusammentrug und sie 1990 dem Bezirksamt übereignete.

Bis zum 15. Mai 2022 zeichnet eine Ausstellung die Spuren des Kolonialismus im Nachlass von Karl Fischer nach. Dass sich unter den persönlichen Materialien von Fischer zahlreiche Dokumente und mehr als 450 Fotografien aus Ostasien befinden, ist weitgehend unbekannt und rückte erst im Zuge von Recherchen zu Spuren des Kolonialismus in Steglitz-Zehlendorf in den Fokus. Die Erschließung und Digitalisierung der Archivalien machte ein Leben Fischers im Dienst der Kolonialpolitik des Deutschen Reiches sichtbar: Im Herbst 1906 meldete sich Karl Fischer freiwillig zum Militärdienst beim III. Seebataillon in Qingdao (Tsingtau). Im Anschluss blieb er in China – zunächst als kaufmännischer Angestellter bei der Schantung-Bergbau-Gesellschaft. Danach war er von 1910 bis 1914 als Zeitungsredakteur in Shanghai in die Kulturpolitik der deutschen Kolonialmacht eingebunden, ehe er 1914 in japanische Kriegsgefangenschaft geriet.

In den vier Kapiteln STEGLITZQINGDAOSHANGHAIBANDO rekonstruiert die Ausstellung die Stationen von Fischer in Ostasien und konfrontiert seine Perspektive, die durch den Nachlass reproduziert wird, mit einer postkolonialen Sicht auf den deutschen Kolonialismus in China.
Darüber hinaus wirft die Werkstattausstellung einen ersten Blick auf historische und aktuelle Spuren des Kolonialismus im heutigen Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Auch in den bis 1920 eigenständigen Gemeinden Steglitz, Zehlendorf und Groß-Lichterfelde manifestierte sich der deutsche Kolonialismus auf vielfältige Weise. Exemplarisch stellt die Ausstellung Spuren aus den Bereichen Mission, Wissenschaft, Wirtschaft, Militär und Vereinswesen vor und regt zu einer Diskussion über die aktuelle Erinnerungspolitik im Bezirk an.

Ausstellungen

Ausstellungseröffnung zurückGESCHAUT | looking back aus dem Museum Treptow

Am 15. Oktober um 18:00 Uhr findet die Ausstellungseröffnung zurückGESCHAUT | looking back – Die Erste Deutsche Kolonialausstellung von 1896 in Berlin-Treptow im Museum Treptow als Videostreaming statt.

Die Museen Treptow-Köpenick und das Projekt Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt zeigen ab dem 15. Oktober 2021 die grundlegend überarbeitete Ausstellung „zurückgeschaut I looking back – Die Erste Deutsche Kolonialausstellung von 1896 in Berlin-Treptow“. Es ist die erste Dauerausstellung zu Kolonialismus, Rassismus und Schwarzem Widerstand in einem Berliner Museum.

Vor 125 Jahren, vom 1. Mai bis 15. Oktober 1896, fand im Treptower Park die „Erste Deutsche Kolonialausstellung“ statt. An der Großveranstaltung waren Politik, Wirtschaft und Kirchen sowie ethnologische und naturwissenschaftliche Museen beteiligt. Im Rahmen einer diskriminierenden „Völkerschau“ wurden 106 Menschen aus den deutschen Kolonien vor einem Millionenpublikum zur Schau gestellt. Den meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmern war nicht bewusst, dass sie in Berlin vor Publikum „ausgestellt“ werden sollten. Viele von ihnen wehrten sich gegen die ihnen zugewiesene Rolle: Kwelle Ndumbe aus Kamerun kaufte sich ein Opernglas und schaute auf das Publikum in Berlin zurück. Die Kolonialausstellung von 1896 ist ein zentrales Ereignis der Globalgeschichte Berlins und von besonderer Bedeutung für die Geschichte seiner Schwarzen Community.

Ausstellungen